Bewertung der Pläne
Unsere Bewertung im Überblick
Die geplanten Bau- und Nutzungsmaßnahmen im Speicherkoog verändern eine Landschaft, die bisher vor allem der Natur und stillen Erholung diente.
Wir haben die Vorhaben analysiert und kommen zu folgendem Ergebnis:
Die aktuellen Planungen sind in ihrer vorliegenden Form nicht vereinbar mit der notwendigen Schonung und Weiterentwicklung dieses sensiblen Gebiets.
Bewertung nach Schlüsselbereichen
🐦 Arten & Lebensräume
Das Gebiet grenzt unmittelbar an die Schutzgebiete FFH DE 0916-391 sowie das Vogelschutzgebiet DE 0916-491.
Viele Vogelarten nutzen den Speicherkoog als Rast- und Brutplatz – etwa Limikolen, Gänse und Uferschnepfe.
Jede neue Infrastruktur (Ferienhäuser, Wege, Stellplätze) erhöht Licht-, Lärm- und Bewegungsbelastung – das stört Ruhebereiche und reduziert Lebensräume.
Fazit: Eine erhebliche Beeinträchtigung von Arten und Lebensräumen kann nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden.
💧 Wasser & Boden
Der Speicherkoog ist Teil eines Mikro-Hydrosystems mit hohem Grundwasser- und Überschwemmungspotenzial.
Geplante Kläranlage und Versiegelungen betreffen Retentionsräume und offene Marschlandschaft.
Zusätzliche Einleitungen in das Speicherbecken erhöhen das Risiko von Eutrophierung und Wasserverschlechterung.
Fazit: Die Eingriffe sind im aktuellen Umfang nicht mit dem Ziel vereinbar, Boden- und Wasserhaushalt nachhaltig zu sichern.
🌄 Landschaft & Erholung
Der Speicherkoog war lange ein Raum der Ruhe – heute droht er eine touristische Verdichtung zu werden.
Ferien- und Wohnhäuser in direkter Nähe zur Deichlinie verändern das offene Marschbild und könnten das Naturerlebnis verringern.
Erholungsnutzung durch Tagestourismus und Radfahren ist sinnvoll – großmaßstäbliche Dauerinfrastruktur hingegen erhöht das Störungspotenzial.
Fazit: Für die angestrebte Nutzung müsste ein deutlich geringerer Eingriff und eine klare Steuerung erfolgen.
⚙️ Verfahren & Planung
Die drei Teilbereiche (Hafen, Elpersbüttel, Nordermeldorf) werden separat behandelt – eine gemeinsame Gesamtbewertung fehlt bislang.
Viele Dokumente sind veraltet oder qualitative Grundlagen (z. B. Daten zu Vogelbeständen) wurden nicht aktualisiert.
Öffentliche Beteiligungs- und Informationsangebote sind vorhanden, aber kommen in der Praxis nur schwer zur Wirkung.
Fazit: Die Verfahren lassen Fragen offen hinsichtlich Transparenz, Vollständigkeit und langfristiger Steuerung.
Fazit & Forderung
Wir halten fest:
Der Speicherkoog ist kein einfaches Bauland – er ist ein Binnenbereich mit besonderer ökologischer Funktion.
Die aktuellen Planungen in ihrer Gesamtheit überschreiten die Schwelle, bei der von einer verträglichen Nutzung gesprochen werden kann.
Soll das Gebiet wirklich langfristig natürlichen Lebensräumen dienen, sind massive Nachbesserungen erforderlich – oder das Vorhaben sollte ersatzlos gestrichen werden.
Unsere Forderung:
Wir fordern, dass die Planungen gestoppt werden – im Sinne eines naturverträglichen Raumes mit begrenztem und gelenktem Tourismus, nicht mit zusätzlicher Bebauung.
Alternative Vorschläge
Andere Standorte für die Ferienhäuser finden, zum Beispiel in unmittelbarer Nähe von Meldorf: Nordermeldorf, am alten Meldorfer Hafen oder Meldorf, Miele-Park?
Den Tourismus in Meldorf anders ankurbeln, zum Beispiel durch die Schaffung einer National-Park-Ausstellung, zum Beispiel im jetzigen, leer stehenden Rathaus?