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Vögel

Die Stiftung Naturschutz betreut im gesamten Speicherkoog ein Projekt zum Wiesenvogelschutz, LIFE LIMOSA. Im Nordkoog sind die Bestände seit Anfang der 1990er Jahre (über 200 Brutpaare) rapide gesunken. Während im Jahr 2013 noch 90 Brutpaare gezählt werden konnten, waren es 2016 nur noch 46 Brutpaare und im Jahr 2018 sogar nur noch 35. Im Südkoog sind die Brutbestände von Anfang der 1980er Jahre bis 2015 stetig leicht angestiegen. Dort brüteten im Jahr 2015 sogar 128 Paare. Zuletzt sind auch hier die Bestände gesunken. Im Jahr 2018 waren es nur 89 Brutpaare. Die Gründe sind vielfältig. Eine große Rolle spielt generell die Prädation, also dass Eier und/oder Küken von Räubern wie Fuchs und Marderhund gefressen werden. Entscheidend ist auch immer das Wetter. Kommt es zu einem Kälteeinbruch kühlen Eier schnell aus, Küken erfrieren. Ist es zu trocken geben die Altvögel die Brut auf.

 

Der Speicherkoog ist für Bodenbrüter, Rastvögel und Wintergäste ein wichtiger Lebensraum.

 

Bodenbrüter

Der Kiebitz war bereits 1996 Vogel des Jahres. Er brütet in Feuchtgründland, das immer seltener wird. Auch auf Feldern brütet er, wo häufig durch die Bewirtschaftung der Flächen die Nester zerstört oder Junge getötet werden. Der Kiebitz ist wenig scheu und im Speicherkoog eigentlich überall anzutreffen. Insgesamt ist sein Bestand in Deutschland seit 1992 um 88 % zurückgegangen.

 

Der Austernfischer ist wohl einer der bekanntesten und beliebtesten Küstenvögel. Nicht ohne Grund wird er auch Hallig-Storch genannt. Lauthals macht er mit seinem "kliep kliep kliep kliep" auf sich aufmerksam.

Kiebitz (c) René Kuhns
Uferschnepfe
Wiesenpieper (c) René Kuhns

Die Uferschnepfe ist sehr viel scheuer und störungsempflindlicher als Kiebitz und Austernfischer. Sie warnt auf bis zu 1 km Entfernung vor möglicher Gefahr. Im Speicherkoog ist ihr Bestand insgesamt rückläufig. Die Stiftung Naturschutz stellt die Entwicklung getrennt für den Nordkoog und den Südkoog gut dar.


Der Kampfläufer ist wohl das Highlight der Brutvogelarten des Speicherkoogs. Der Name lässt wenig Sympathisches erwarten. Die Männchen im Prachtkleid zur Brutzeit sind aber eine beeindruckende Erscheinung! Kampfläufer sind in vielerlei Hinsicht besonders. Die Auswahl des Neststandortes, Brutpflege und Jungenaufzucht übernimmt allein das Weibchen. So auffällig die Männchen zur Balz aussehen, so unscheinbar und heimlich verhalten sich die Weibchen bei der Brut und Jungenaufzucht. Daher ist es sehr schwierig, Kampfläufer-Bruten überhaupt festzustellen. Hier kann man sie bei der sog. "Arena-Balz" im Odinsloch sehen. Kampfläufer sind weltweit nicht im Bestand bedroht, in Deutschland jedoch vom Aussterben bedroht, also in Kategorie 1 der Rote Liste der Brutvögel Deutschlands von 2015. Der Speicherkoog zählt nach Angaben von Ole Thorup, einem dänischen Wiesenvogel-Experten, zu den Top-3-Gebieten Deutschlands für diese Art, obwohl nur noch wenige Vögel hier brüten.

Austernfischer
Kampfläufer
Säbelschnäbler - Altvogel mit Jungvogel
Bartmeise (c) René Kuhns
Schilfrohrsänger (c) René Kuhns

Der Wiesenpieper ist ein kleiner graubrauner, optisch unscheinbarer Singvogel. Im Frühjahr kann im Koog vierlerorts sein Singflug beobachtet werden. Was seinen Lebensraum betrifft, ist sein Name Programm.

 

Die Feldlerche brütet in den Offenflächen des Speicherkoogs. Sie ist nach 1998 im Jahr 2019 schon zum zweiten mal Vogel des Jahres. Ihr Bestand ist seit den 70er Jahren zum Teil um 50 bis 90 % gesunken.

 

Besonders edel sehen die hübschen Säbelschnäbler aus. Sie brüten gern in Kolonien auf kleinen Brutinseln und sogar den Brutflößen im Odinsloch - bis sie von den Flussseeschwalben vertrieben werden, die erst etwas später aus dem Süden zurückkehren und mit der Brut beginnen.

 

Die Uferschwalbe brütet in Kolonien an sandigen Steilwenden, in die sie Bruthöhlen baut. Im Speicherkoog ist eine solche Kolonie u.a. im Nordteil an der Mielebrücke. Im Jahr 2017 sind besonders viele Jungvögel im Bereich des Odinslochs von Autos erfasst worden. Die Vögel nutzten das Odinsloch zur Jagd auf Insekten über der Wasseroberfläche und setzten sich zwischendurch auf den warmen Asphalt. Kam ein Auto, waren nicht immer alle schnell genug.

 

Schilfbewohner

Nicht nur Bodenbrüter, sondern auch Schilfbewohner lieben den Speicherkoog - vor allem das Naturschutzgebiet Kronenloch. Zu den Schilfliebhabern gehören z.B. Bartmeisen, diverse Rohrsänger (Schilfrohrsänger, Sumpfrohrsänger und Teichrohrsänger), die Rohrdommel und Feldschwirle.

 

Auf den Brutinseln im Odinsloch brüten Flussseeschwalben.

Uferschwalben auf der Straße am Odinsloch
Weißwangengänse
Löffler (c) René Kuhns
Sumpfohreule
Singschwan
Thorshühnchen

Früher waren Sumpfohreulen regelmäßige Brutvögel im Speicherkoog. Inzwischen sind sie in der Regel nur noch zur Zugzeit im Speicherkoog zu beobachten. Eine Ausnahme war das Jahr 2019, einem sog. Einflug-Jahr, in dem diverse Sumpfohreulenpaare in Dithmarschen brüteten - auch im Speicherkoog.

 

Rast- und Wintergäste

Der Speicherkoog ist nicht nur wichtiges Brutgebiet. Auch für Zugvögel spielt er als Rastgebiet und Überwinterungsgebiet eine wichtige Rolle. Während Löffler und Bekassinen beispielsweise im Speicherkoog nur auf dem Durchzug pausieren, verbringen nordische Gänsearten zum Teil den Winter im Speicherkoog. Zu ihnen gehören die Weißwangengänse (auch Nonnengans genannt) und die Blässgänse. Zur Zugzeit können sie zu Tausenden im NSG Wöhrdener Loch beobachtet werden. Auch Singschwäne und Zwergschwäne sind zu Gast. Sie bevorzugen die Äcker im östlichen Teil.

 

Seltenheiten

Der Speicherkoog ist immer für Überraschungen gut. Zur Zugzeit tauchen hin und wieder Seltenheiten auf. Während Mornellregenpfeifer, Thorshühnchen und Odinshühnchen schon zu den regelmäßigen Besonderheiten zählen, sind Graubruststrandläufer und Grasläufer Raritäten. Spektakulär war am 13. Juli 2019 die Entdeckung eines Bindenstrandläufers. Zur gleichen Zeit hielt sich ein Rosapelikan im Naturschutzgebiet Kronenloch auf. Das war selbst für erfahrene Vogelbeobachter eine sehr außergewöhnliche Kombination.

Bekassinen
männliche Kornweihe (c) René Kuhns
Rosapelikan