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Touristische Fehlentwicklung

„Wir tun den Vögeln doch nichts!“

 

Immer wieder wird uns die Frage gestellt: „Was ist denn so schlimm daran, wenn ich mich ans Ufer stellte, um die Natur zu genießen?“. Leider verstehen die Vögel nicht, dass wir ihnen nichts tun.

 

Forschungen zu Uferschnepfen im Naturschutzgebiet Tipperne an der dänischen Nordseeküste haben gezeigt, dass allein die Anwesenheit von Spaziergängern massive Auswirkungen hatte (Holm, T.E. & K. Laursen 2009: Experimental disturbance by walkers affects behaviour and territory density of nesting Black-tailed Godwit Limosa limosa - Ibis 151: 77-78). Darin heißt es sinngemäß:

„Eine Störung von sieben Wanderern/Tag wirkte sich auf die Gebietsdichte von bis zu 500 m Abstand von den Routen aus, die von Wanderern zurückgelegt wurden, und verursachte einen effektiven Verlust des Lebensraums für brütende Uferschnepfen.

Die Empfindlichkeit der Art gegenüber Störungen könnte erklären, warum sie in vielen Gebieten verschwunden ist. Die wirksame Erhaltung wichtiger Brutgebiete und die Aufrechterhaltung der hohen Dichte von Schnepfen und anderen Wiesenvögeln erfordert eine Kontrolle der Störung der Brutgebiete durch die Öffentlichkeit.“

 

Eine ähnliche Untersuchung gibt es von einem Forscher der Vogelwarte Sempach in der Schweiz zu Waldvögeln. Diese hat ergeben, dass sich selbst bei wenig menschlicher Aktivität im Schnitt 15 Prozent weniger Vögel in den Testzonen angesiedel haben.

 

Nun könnte man denken, es sei ja nicht so schlimm, wenn ein Vogel mal kurz von seinem Nest auffliegt. Das Auffliegen bringt aber mehrere Gefahren mit sich. Kehrt der Vogel nicht schnell genug zurück zu den Eiern, kühlen diese aus. Ein ganzes Gelege ist damit zerstört. Auch Jungvögel können erfrieren. Möglicherweise beobachten Krähen oder Möwen oder andere Räuber (z.B. Fuchs und Marderhund) den auffliegenden Vogel und werden so auf das Nest aufmerksam, das sie dann ausräubern.

 

Nicht ohne Grund bauen Naturschützer in sensiblen Gebieten Beobachtungshütten, von denen aus man die Vögel durch Fensteraussparungen oder nur schmale Schlitze aus sicherer Entfernung beobachten kann. Wäre allein die Anwesenheit der Menschen nicht störend, könnte man sich Kosten und Aufwand für derartige Einrichtungen sparen.

 

Unterschiedliche Vogelarten sind unterschiedlich scheu. Während Kiebitze und Austernfischer relativ wenig scheu sind und teilweise sogar auf den Randstreifen neben der Straße brüten (und dadurch nicht selten zu Verkehrsopfern werden), sind Uferschnepfen und Kampfläufer wesentlich scheuer und störungsempfindlicher. Gerade diese beiden Arten sind in Deutschland inzwischen vom Aussterben bedroht und sog. Rote-Liste 1 Arten. Wir haben für diese Arten eine ganz besondere Verantwortung! Deshalb müssen wir alles dafür tun, dass diese Arten im Speicherkoog wieder erfolgreicher brüten können und ihre Population gesichert wird.

 

Der Speicherkoog ist kein Naherholungsgebiet, sondern ein Schutzgebiet von europäischem Rang!

 

Wegen seiner enormen Bedeutung gelten im Speicherkoog strenge Regeln.

 

Bestehende Regeln

  • Die Naturschutzgebiete dürfen nicht betreten werden. 
  • An den Badestellen gelten Übernachtungsverbote.
  • Auf einem Großteil der Straßen gelten Geschwindigkeitsbegrenzungen.
  • Auf dem Mielespeicher (im EU-Vogelschutzgebiet) sind Surfen und Stand-Up-Paddeln nur in dem gekennzeichneten Bereich erlaubt.

 

Betreten verboten!
Zaun wäre schöner...
Schild nützt nix

Das Jahr 2018 – ein Katastrophenjahr! Grillpartys und tote Tiere

 

Entlang der Hafenstraße waren Zäune entfernt worden, wohl um Unterhaltungskosten zu sparen. Das Schilf ist in diesen Bereichen bis zum Ufer freigeschnitten worden. Dadurch frei zugängliche Schneisen im Naturschutzgebiet Kronenloch wurden zum Grillen oder für ein Picknick genutzt. Die Menschen gingen ins Wasser, ließen ihre Hunde baden – nicht wissend, dass es sich um ein Schutzgebiet mit Betretungsverbot handelt.

 

2019 weniger Grillpartys, dafür ein Pelikan - tote Tiere ohne Ende...

 

Das Wetter in diesem Jahr war nicht ganz so heiß wie im Jahr 2018. Dennoch waren immer wieder Menschen am Ufer. Nicht zuletzt trug der außergewöhnliche Besuch eines Rosapelikans dazu bei, dass zahlreiche Schaulustige das Gebiet aufsuchten und sich diesen Vogel natürlich aus nächster Nähe ansehen wollten. Schilder und Zaunabschnitte erwiesen sich als untauglich, die Menschen vom Betreten des Gebiets abzuhalten.

 

Auf den Straßen im Speicherkoog sind fast täglich Tiere überfahren worden. Zwischen dem 16. Mai und dem 7. September sind nachweislich 54 Tiere tot gefahren worden. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen, weil nicht täglich kontrolliert wird und Kadaver nachts von Fuchs und Marderhund geholt werden. Unsere Zahlen basieren auf Zufallsfunden.

Eisvogel Hafenstraße Höhe Turm
Uferschnepfe