Link verschicken   Drucken
 

Das Naturschutzgebiet Kronenloch

Das Kronenloch befindet sich südlich der Hafenstraße (Meldorfer Hafen Richtung Meldorf), ist seit 1985 Naturschutzgebiet und ca. 530 ha groß. Ursprüngliches Ziel war der Seevogelschutz auf den Salzwiesen und dem Sandwatt. Damals brüteten hier noch u.a. Küstenseeschwalben. Die Flächen trockneten aus und der Salzgehalt im Wasser nahm ab, was zum Verschwinden der Salzwiesen und damit auch der Seevögel führte.

 

Das Naturschutzgebiet Kronenloch ist ein Salzwasserbiotop, das über das Hafenbecken mit Salzwasser versorgt wird. Dieses fließt über die Umlaufrinne in den Mielespeicher. Auf diese Weise werden die Gezeiten simuliert. Damit verändert sich Wasseroberfläche, so dass Flachwasserbereiche und Sandbänke entstehen, die gern von Watvögeln als Rast- und Nahrungsgebiete aufgesucht werden.

 

Die sog. Ziegeninsel war mal Salzwiese und ist es in ganz geringen Teilen immer noch.

 

Da für das Naturschutzgebiet kein Management, also keine Pflegemaßnahmen, vorgesehen ist, wächst das Gebiet zu. Nach dem Managementplan ist für das Gebiet freie Sukzession vorgesehen. Inzwischen ist das gesamte Gebiet zum Wildnisgebiet erklärt worden. Das klingt erst einmal toll, vor allem kostet ein solches „0-Management“ nichts. Für die Natur bedeutete dies, dass Röhrichte, Hochstauden und Weiden wachsen. Auch Sanddorn, der einst als Küstenschutzmaßnahme angepflanzt wurde, und keinen naturschutzfachlichen Zweck hat, breitet sich aus. Auf der Ziegeninsel und im südöstlichen Bereich ist ein Pionierwald entstanden, der sich weiter ausbreitet. Für die typischen Küstenvogelarten ist Wald kein geeigneter Lebensraum.

NSG Kronenloch

Folgen der vegetativen Entwicklung für Vögel waren: keine Möwen, Seeschwalben und Regenpfeifer mehr, weniger Kiebitze und Feldlerchen, dafür Haubentaucher, Rohrweihe, Blaukehlchen, Bartmeise und Schilfrohrsänger. Inzwischen beschränkt sich das Artenvorkommen im Kronenloch auf Arten, für die auch im Binnenland Lebensräume geschaffen werden können und bereits bestehen.

 

Die Anzahl der Brutvogelarten ist seit der Eindeichung gestiegen. Für den Laien mag dies zunächst toll klingen. Allerdings ist Quantität nicht Qualität. Die Meldorfer Bucht war vor der Eindeichung Brutgebiet für Seevögel, also für auf Küstengebiete spezialisierte Vogelarten. Diese sind auf Brutgebiete an der Küsten angewiesen. Im Binnenland kommen diese Arten nicht vor, weil dort mangels Küste keine geeigneten Lebensräume bestehen. Wenn diese Arten auch an der Küste keine geeigneten Brutgebiete mehr vorfinden, sterben sie aus. Insgesamt sinkt somit Zahl der Brutvogelarten. Durch das fehlende Management und die Sukzession entwickelt sich das Kronenloch zum Brutgebiet für Kohlmeise, Buchfink und Amsel. Diese Arten können in jedem Wald, wenn nicht sogar Garten brüten. Es wäre daher sinnvoller, an der Küste die Bedingungen für die typischen Küstenvögel zu erhalten bzw. wieder herzustellen.

 

Noch verheerender sind die Auswirkungen dieser Entwicklung für die Wiesenbrüter in den angrenzenden Brutgebieten. Das Kronenloch bietet aufgrund der inzwischen reichen Vegetation optimale Deckungsmöglichkeiten für Prädatoren. In dem Gebiet können sich Füchse, Marderhunde und auch Wildschweine ungestört vermehren. In den angrenzenden Flächen, auf denen mit hohem Aufwand Wiesenvogelschutz betrieben wird, ist der Tisch reichlich gedeckt.

 

Dass dieses Gebiet, welches aufgrund seiner Lage und der vorhandenen „Salzwasserlagune“ Potenzial für ein wertvolles Seevogel-Paradies hat, zum Wildnisgebiet erklärt wurde, darf durchaus als Fehler bezeichnet werden. Eine Korrektur wäre wünschenswert. Im östlichen Bereich brüten Schwarzkehlchen und Braunkehlchen, die Offenflächen mit Büschen benötigen. Ohne Pflegemaßnahmen wird der Ostteil weiter zuwachsen und ein Wald entstehen – schade bei so viel Potenzial zu mehr.

 

Trotz allem ist das Naturschutzgebiet Kronenloch weiterhin als Rast-, Mauser- und Nahrungsgebiet interessant für Wat- und Wasservögel. Die noch vorhandenen Sandbänke dienen zudem als Schlafplatz.